Willkommen in Tokio: Fische in der Sommerhitze

Ich bin jetzt schon wieder eine Weile in Deutschland, aber es war wieder so viel los, dass ich noch keine Zeit hatte mich in Ruhe hinzusetzen und meinen Asienbericht zu schreiben. Zwischenzeitlich war ich auf Geschäftsreise und unsere Spülmaschine hatte sich spontan entschieden in der Nacht zu streiken und alles unter Wasser zu setzen…

Aber sprechen wir von etwas anderem, von Asien.

Meine Reise führte mich zuerst fünf Tage lang nach Japan und danach für acht Tage nach Südkorea. Wenn ich die Reise zusammenfassen müsste, würde ich sagen, dass es verdammt heiß war (ich würde schätzen, dass es immer über 35 Grad waren), ich keinen Tropfen Regen gesehen habe, obwohl es Regenzeit war, ich mir den Bauch mit all dem guten Essen – Sushi in Japan und scharfes Essen in Südkorea – voll geschlagen habe und ich zwei Wochen auf dem Fußboden geschlafen habe. Aber dazu später mehr.

Über meinen Flug habe ich schon berichtet, der Flug von Seoul nach Tokio war noch einmal zweieinhalb Stunden, wo es auch wieder ein richtiges Essen gab. Den Weg vom Narita Flughafen zu meinem Hostel habe ich sehr schnell gefunden, ich hatte extra eines gewählt, das eine direkte Verbindung zum Flughafen hatte, damit ich mit meinem Superjetlag nicht auch noch komplizierte Umsteigemanöver machen musste.

Vor dem Kapselhotel stand auch schon ein Schild, das mich namentlich willkommen hieß (und nach mir auch jeden Neuankömmling). Ein Kapselhotel besteht aus kleinen Kapseln, in denen man schläft. In Japan sind sie eher bei männlichen Angestellten beliebt, die sich abends nicht auf den langen Heimweg machen wollen und so bestand das Hotel auch aus 5 Etagen Männerkapseln und einer Etage für Frauen. Während meiner Zeit dort habe ich auch nur eine Japanerin gesehen, die dort spontan für die Nacht eincheckte, während man dieses Verhalten abends häufiger bei den Männern beobachten konnte.


Die Kapseln.


Mit TV und allem drum und dran. (außer einer weichen Matratze)


Die letzte Person soll bitte die Tür rocken. War schwer, aber irgendwer muß es ja tun. Habe regelmäßig meine Luftgitarre gezückt.

Im Kapselhotel fehlt einem eigentlich kaum etwas. Beim Betreten schließt man seine Straßenschuhe in einen kleinen Schuhspind und nimmt sich grüne Hausschuhe und nimmt ein Handtuch, den Schlüssel für den Flur und eine Schlafrobe in Empfang. Die Etagen selbst sind zugeschlossen, die Kapseln sind alle an einer Seite offen (jedoch mit einem Bambus/Stoffrollo) und sind mit einem Licht, einem Wecker und einem Fernseher ausgestattet. Für die Toilette gab es dann noch einmal braune Schuhe und für uns Frauen dann noch einmal pinke für das Badehaus, das zwar im Keller des gleichen Gebäudes war, zu dem man aber keinen direkten Zugang hatte und man den Weg über die Straße wählen musste. Die Männer hatten es da etwas einfacher, sie hatten ihre Badewanne, Duschen und Sauna direkt im Haus.

Am ersten Abend bin ich dann eigentlich nur noch ins Bett gefallen. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt am nächsten Morgen zum Fischmarkt zu fahren, aber ich dachte nicht, dass ich das mit meinem Jetlag schaffen würde. Aber ich bin in der Nacht dauernd aufgewacht, weil mir zu kalt war (das muß auch der Jetlag gewesen sein, ist danach nämlich nicht mehr passiert) und war dann um 4 Uhr morgens endgültig wach und habe dann um 5 Uhr die erste Metro zum Fischmarkt genommen.
Was zu spät war. Anscheinend muß man dort zwischen 3 und 4 Uhr aufschlagen, um Tickets für die Thunfischauktion zu bekommen. Und selbst die Leute haben wohl nicht wirklich etwas gesehen. Ich habe mich dann auf die Suche nach Fischen gemacht und bin aus Versehen *hust* in die „verbotene“ Zone geraten, die offiziell erst ab 9 für Touristen geöffnet hat. Bis sie mich erwischt haben und auf japanische Art superhöflich gebeten haben die Zone bis 9 zu verlassen hatte ich dann aber auch genug gesehen, so dass ich um sechs Uhr dann erst einmal eine Sushiplattefür 21 Euro gefrühstückt habe (war ein bisschen zu früh für rohen Fisch…) und mich danach zum weiteren Sightseeing aufmachte. Wie viele andere Touristen hatte ich dann aber das Problem etwas zu finden, das um diese Uhrzeit schon offen hatte ;-).

Thunfisch
Thunfisch

Eisblöcke werden angeliefert
Eisblöcke werden angeliefert

Ich bin dann in einen nahegelegenen Park gegangen, der zum Glück außerplanmäßig schon um 8 Uhr öffnete, normalerweise wohl erst um 9 und bin dort etwas herumgelaufen. Selbst um 8 war es schon so heiß, dass man in der Sonne schon förmlich zerflossen ist.

Der Park selber war sehr nett angelegt, mit verschiedenen Seen und Pflanzen. Es gab viele scheue Vögel und Katzen. Die Enten waren so extrem scheu, weil sie früher dort mit Netzen gefangen und dann gegessen wurden. Da wäre ich an ihrer Stelle wohl auch noch misstrauisch. Es gab sogar einen kleinen Schrein für sie, um an die getöteten Exemplare zu erinnern. Japan halt.

Ich habe überall total schöne Schmetterlinge und Libellen gesehen, aber da es so gut wie keine Blumen gab, habe ich sie immer nur im Flug beobachten können. Das war total schade, ich habe große und kleine blaue Schmetterlinge gesehen…

Jedenfalls gab es viele Insekten dort, die mit ihrem Gezirpe so laut waren, dass es einen an manchen Stellen im Park durch Mark und Bein ging und man davon förmlich Kopfschmerzen bekam. Die laute Stadt hat man da inmitten von Tokio nicht mehr hören können.
Während ich andächtig lauschte und mich fragte, wie so kleine Tiere soooo laut sein können, muß ich dann von Moskitos total zerbissen worden sein, da meine Beine und Schultern am Abend voll von Stichen waren.

Nach dem Park war es immer noch sehr früh und ich bin nach Shinjuku gefahren, um zur Aussichtsplattform im 42. Stock des Rathauses zu fahren und mir ein paar Geschäfte anzugucken. Wollte eigentlich erst das Einkaufszentrum finden, bin dann aber durch den Metrobahnhof geirrt und aus Versehen zuerst beim Rathaus gelandet. War auch nicht schlimm.

Vor einem Touristenbüro habe ich dann eine Roboterrobbe gesehen, die mir schon aus dem TV bekannt war. Ich hatte irgendwann einmal eine Dokumentation über Altenheime gesehen, wo diese Robbe zum Einsatz kam, da sie auf Geräusche und auf Berührungen reagiert. Neben ihr lag auch ein Zettel mit der Aufforderung sie bitte nicht zu schlagen…

Danach habe ich ein Kaufhaus besucht (Tokyo Hands), wo es alles und nichts gab und bin anschließend durch das Untergeschoss geschlendert, da es mit Essen und Essensständen nur so vollgestopft war. Das war unheimlich toll, es gab Stände mit eingelegtem Gemüse, eine ganze Ecke mit kleinen niedlichen Törtchen und Kuchen, Sushistände und Sandwich und Reistaschenstände. Ich habe natürlich mehr gekauft, als ich eigentlich essen konnte, aber wie konnte ich zu den ganzen Sachen nein sagen?

Ein wiederkehrendes Erlebnis, das ich in Tokio hatte, war die Tatsache, dass eigentlich fast alles was ich irgendwo probierte in irgendeiner Form aus Thunfisch bestand. Ich kaufte mir ein Weißbrotsandwich ohne Kruste (die einzige Art, die es gibt) mit Avocado und als ich es dann in die Hand bekam sah ich, dass dort auch noch gekochter Thunfisch mit drin steckte. Bei den Reistaschen konnte man auch immer davon ausgehen, dass man die mit Thunfischfüllung erwischte…Yummy.

Ein anderes nettes Geschäft (hatte ich vorher schon etwas im Internet drüber gelesen) war Don Quijote, wo es eigentlich auch wieder alles gab, vom Grüner Tee Kitkat über Hello Kitty Accessoires bis zu Kostümen für jeden Anlass und ganz normaler Kleidung.

Da es nach all dem immer noch früher Nachmittag war, bin ich dann noch zum Kaiserpalast gefahren, dessen Garten allerdings geschlossen war. Von draußen konnte man trotzdem eine berühmte Brücke und den Palast sehen und bei der brütenden Hitze war es auch ganz nett den Palast im Schnelldurchlauf anzusehen und sich danach in den Schatten zu setzen und etwas auszuruhen.

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